OPERATIV


Operative Therapie

Bei anhaltenden Beschwerden mit funktionellen Einschränkungen aufgrund der Schmerzsymptomatik empfehlen wir die Vorstellung in der Plastischen Chirurgie, um ein Behandlungskonzept auszuarbeiten. Wenn die konservativen Maßnahmen zu keiner deutlichen Besserung der Symptome geführt haben, kann die Option einer Fettabsaugung für Sie die richtige Alternative darstellen.

Eine Liposuktion (Fettabsaugung) trägt zur deutlichen Druckentlastung im Gewebe und somit zur Beschwerdebesserung oder gar Beschwerdefreiheit bei. Die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie (DGP) empfiehlt deshalb in ihrer S1-Leitlinie eine operative Behandlung insbesondere dann, wenn trotz konsequent durchgeführter konservativer Therapien noch Beschwerden bestehen oder diese zunehmen.

Bei einem Körpergewicht von über 120 kg und / oder einem BMI von über 35 kg/m2 erfolgt die Indikationsstellung zur Operation individuell in Abwägung individueller Risiken. Die Liposuktion kann beim Lipödem das krankhafte Unterhautfettgewebe an Beinen und Armen und damit den Gewebeumfang dauerhaft reduzieren, wodurch Verbesserungen von Spontanschmerz, Druckschmerz, Ödem und Hämatomneigung erzielt werden können.

Dabei bleibt die Befundverbesserung mehrheitlich über viele Jahre bestehen. Unsere Patientinnen berichten wiederholt über „Endlich wieder Wanderurlaube“, „Ich sehe meine Knie!“,  „Mein Arme fühlen sich so leicht an!“ und vieles mehr, worüber wir uns herzlich gemeinsam mit den Patientinnen freuen!  




WIE WIRD OPERIERT?

Die zu behandelnden Areale werden unmittelbar vor dem Eingriff auf der Haut eingezeichnet und fotodokumentiert. Entsprechend den Anzeichnungen werden kleine Stichinzisionen gesetzt und das subkutane Fettgewebe wird mit einem Wasserstrahl über eine Infiltrationskanüle mit einer speziellen Lösung infiltriert und aufgelockert. Die Lösung sorgt dafür, dass das Fettgewebe aufgelockert wird und die kleineren Gefäße sich zusammenziehen, sodass der Blutverlust möglichst reduziert wird. Durch die ausgeglichene Salzzusammensetzung, wird ihrem Körper durch die Lösung keine Flüssigkeit entzogen. Größtenteils wird die applizierte Lösung nach der entsprechenden Einwirkzeit samt gelockerten Fettzellen schonend abgesaugt und belastet somit ihren Kreislauf möglichst wenig. Die Absaugung findet mit Liposuktionskanülen verschiedener Kaliber statt. Die Auswahl erfolgt individuell entsprechend dem Befund. Wir achten penibel auf die Schonung der benachbarten anatomischen Strukturen, insbesondere der Blut- und Lymphgefäße. Wichtig ist dabei eine achsengerechte (parallel zu Blut- und Lymphbahnen), lymphschonende Liposuktion, um der Entstehung eines sekundären Lymphödems vorzubeugen beziehungsweise diese zu verhindern. Eine verbleibende subkutane Fettgewebsschicht entsprechend der anatomischen Formung des Körpers verbleibt, um zwischen der Haut und den Muskeln eine notwendige Gleitschicht aufrechtzuerhalten. Die kleinen Wunden werden nach Beenden der Operation mit sterilen Klammerpflastern verschlossen. Darüber werden zusätzliche Schutzpflaster angebracht. Noch im OP-Saal wird die Kompressionswäsche angezogen, sodass die anfängliche Schwellung limitiert bleibt.

ANÄSTHESIE
Grundsätzlich stehen bei Liposuktionen zwei Narkoseverfahren zur Verfügung. Zum einen kann die Operation in Vollnarkose durchgeführt werden. Dies ist das bei uns in den allermeisten Fällen angewendete Verfahren. Zusätzlich wird das Gewebe mit einer sogenannten Tumeszenzlösung infiltriert. Diese enthält ein örtliches Betäubungsmittel zur Schmerzausschaltung, Adrenalin, welches die kleinsten Gefäße im Gewebe verengt, damit es weniger blutet und eine weitere Substanz (Bicarbonat), welche die Fettzellen aufquellen lässt, damit man sie leichter absaugen kann. Zum anderen kann die Operation auch alleine in Tumeszenz-Anästhesie durchgeführt werden. Dabei werden größere Mengen Flüssigkeit in die zu behandelnden Areale infiltriert. Zusätzlich wird den Patienten dann noch ein Medikament zur Sedierung (Beruhigung) gegeben. Wir halten bei den oft großen und auch zeitlich umfangreichen Operationen eine Vollnarkose mit zusätzlicher Tumeszenz-Infiltration für ein sehr sicheres und angenehmes Verfahren, da es während der Operation nicht zu plötzlichen und unerwarteten Schmerzreaktionen kommen kann. Patientinnen, die schon beide Verfahren erlebt haben, entscheiden sich unserer Erfahrung nach eher für eine Vollnarkose, da der gesamte Eingriff dann für sie entspannter wird. Weltweit besteht eine deutliche Tendenz hin zur Operation in Vollnarkose. Beide Verfahren haben eine äußerst geringe Komplikationsrate und gelten als ähnlich sicher. Ein sehr erfahrenes Anästhesie-Team steht Ihnen hierzu zur Verfügung und wird im Vorfeld alle Details zur Narkose mit Ihnen besprechen.
ERGÄNZENDE MAßNAHMEN

 

Im Rahmen unserer Versorgung gehen wir vor allen Dingen auf Ihre individuellen Beschwerden und Probleme ein. Neben der Diagnose Lipödem können auch andere für Sie wichtige Aspekte mitbehandelt werden. Häufige Probleme sind erschlafftes Hautbild, Besenreißer, Narben etc.

  • Mögliche Ergänzungen zu der geplanten Therapie:

Eigenfett-Transplantation, Surgical Needling, Straffungsoperationen, Narbenkorrekturen

NACH DER OPERATION
Nach der Liposuktion verbringen Sie in der Regel eine Nacht auf einer unserer Stationen und erhalten eine umfangreiche Betreuung mit Hilfeleistung insbesondere in Bezug auf die Körperpflege und den anfänglichen Umgang mit der Kompressionsbekleidung, sodass Sie sich ganz auf Ihre Genesung konzentrieren können. Bei umfangreichen Absaugungen kann sich der stationäre Aufenthalt verlängern. In den ersten Tagen kann mit lokalen ziehenden und brennenden Schmerzen gerechnet werden, aus diesem Grund erhalten alle unsere Patienten und Patientinnen eine beschwerdeabhängige Schmerzmedikation. Aufgrund der Tumeszenz Lösung, welche zuvor in die Weichteile infiltriert wird, kann es zu einer Sekretion aus den Einstichstellen kommen. Seien Sie nicht besorgt, wenn Ihre Kompressionswäsche an einzelnen Stellen durchnässt ist. Das Gleiche gilt für die Bettwäsche, es bietet sich an, eine schützende Unterlage (beispielsweise ein Handtuch o.ä.) zu benutzen. Die oberflächlichen Schutzpflaster können am 2. Postoperativen Tag entfernt werden und Sie dürfen auch duschen. An den eng aufliegenden Klammerpflastern kann das Duschwasser problemlos abperlen. Die Klammerpflaster (sog. Steristrips®) verbleiben 14 Tage und werden dann von uns an einem Verlaufskontroll-Termin entfernt. Baden, Saunabesuche oder Schwimmen sollten bis zur abgeschlossenen Wundheilung vermieden werden. Initial erfolgt die Nachbehandlung nach einem operativen Eingriff durch uns, um sicherzustellen, dass nach der Operation alles komplikationslos und ohne Probleme erfolgt. Für die weitere Nachbehandlung entlassen wir Sie gerne in die haus- oder fachärztliche Weiterbetreuung und kooperieren engmaschig mit den weiterbehandelnden Kolleginnen und Kollegen.
NACHSORGE: KOMPRESSIONSWÄSCHE

Nach einer Liposuktion empfehlen wir das konsequente Tragen der Kompressionskleidung für insgesamt 6 Wochen am Tag und in der Nacht. Zum Duschen oder Waschen kann diese selbstverständlich abgelegt werden. Nach Entfernung der Fettzellen durch Liposuktion kommt es zu einer teils ausgeprägten Schwellung. Um diese schnellstmöglich zu reduzieren und um eine ebenmäßige Hautoberfläche zu erzielen ist das Tragen eines Kompressionsmieders unabdingbar. Ihr Gewebe braucht nach der Operation Ruhe, Stabilität und Festigkeit. Dies lässt sich in den Wochen nach der Operation am besten mit einem Kompressionsmieder erreichen. Dieses sollte für mindesten 4-6 Wochen getragen werden. Sollten Sie das Gefühl haben, das Mieder tut Ihnen auch noch nach dieser Zeit gut, spricht nichts dagegen, die Wäsche auch länger zu tragen. Falls Sie eine passende Kompressionswäsche in Flachstrick (beispielsweise Kompressionsklasse 2) aus der vorangegangenen konservativen Therapie besitzen, wäre diese Versorgung für die ersten Wochen nach der Operation eine sehr gute Option.

NACHSORGE: MANUELLE LYMPHDRAINAGE
Ähnliches wie für die Kompressionswäsche gilt für die Lymphdrainage. Während der Erfolg vor einer Operation nur begrenzt ist und allenfalls zur Linderung beiträgt, ist die Lymphdrainage nach einer Liposuktion umso wichtiger. Mit der Lymphdrainage sollte daher weniger Tage nach dem Eingriff begonnen werden. Dies hilft, die Schwellung nach der Operation zu lindern und rascher abzubauen.
NACHSORGE: ERNÄHRUNG
Insbesondere vor und nach der Operation sollten Sie auf eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung achten, um optimal auf die Operation vorbereitet sein. Falls Sie eine Diät planen, sollte diese einige Wochen vor der Operation beendet sein, damit Ihr Körper wieder zum normalen Stoffwechsel zurückfindet und Sie sich in einer Aufbau- und nicht Abbausituation befinden. Nach der Operation können Sie den Heilungsverlauf durch verschiedene homöopathische Mittel unterstützen, um so z.B. den Abbau von blauen Flecken (Hämatome) oder den Rückgang der Schwellung zu fördern. Eine lipödemspezifische Diät gibt es nicht, es ist allerdings empfohlen, ausreichende Pausen zwischen den Mahlzeiten einzuhalten und Blutzucker- und Insulinspitzen zu vermeiden (isoglykämische Ernährung). Denn hohe Insulinspiegel fördern die Lipogenese, also die Zunahme des Fettgewebes. Eine Gewichtsreduktion sollte außerdem nicht auf Kosten der Muskelmasse, sondern der Fettmasse erfolgen.
NACHSORGE: SPORT
Nach der Operation sollten Sie 4-6 Wochen auf Sport und anstrengende Aktivitäten verzichten, damit ihr Körper sich optimal regenerieren kann. Danach können Sie langsam und koordiniert wieder mit Ihrem Sportprogramm beginnen. Das annährend definitive Ergebnis der Liposuktion erreichen Sie nach ca. 2-3 Monaten nach der Operation. Dies ist auch unsere Empfehlung als zeitlicher Abstand zu weiteren Sitzungen einer Liposuktion, falls Ihr Therapie-Konzept dies erfordert. Die Verlaufskontrollen finden bei uns in der Klinik statt, wir stehen Ihnen bei Bedarf auch telefonisch über unser Sekretariat gerne zur Verfügung.

STRAFFUNGSOPERATIONEN


In sehr ausgeprägten Fällen mit großem Hautüberschuss, kann es sein, dass die Haut sich nach der Liposuktion und der damit verbundenen Volumenreduktion nicht mehr ausreichend zusammenziehen kann und ein deutlicher Hautüberschuss verbleibt. In diesen Fällen können Straffungsoperationen notwendig werden. Am häufigsten betroffen dabei ist die Innenseite der Oberschenkel. Hier kann mittels einer zusätzlichen Operation die überschüssige Haut an der Innenseite der Oberschenkel entfernt werden. Ist noch ein zu großer Hautüberschuss an den Armen vorhanden, kann eine Oberarmstraffung (in manchen Fällen auch bis auf den Unterarm ausgedehnt) durchgeführt werden.


ÄSTHETISCHE LIPOSUKTION


Unabhängig von dem Erkrankungsbild Lipödem sind häufig störende Fettgewebsdepots für viele Patienten und Patientinnen lästig und durch Sport und Ernährungsumstellung nicht ausreichend zu beeinflussen. Sprechen Sie uns gerne an, denn eine Liposuktion kann auch in kosmetischen Fällen eine geeignete Lösung sein. Abhängig von dem Ausmaß der störenden Fettgewebsdepots kann sogar eine ambulante Behandlung angeboten werden.